Dr. Schorschs Raketenblog

Einradflashmob

Eine Anleitung zum Falschparken
für Radfahrer

Ich fahre ein Fahrrad und habe darum neulich einen Einradflashmob veranstaltet: Inspiriert wurde und werde ich täglich von rund 80 kreativen Autofahrern die mir demonstrieren, dass das Parken auf der Fahrbahn eine eher lässliche Sünde sei.

Das Weiße was hier unter die Räder kam wäre übrigens (m)ein Radweg gewesen…

Darum beschloss ich das Gefühl des bewussten Falschparkens in meinen reichen aber offenbar noch unvollständigen Erfahrungsschatz einzureihen: An einem schönen Morgen suchte ich einen Parkplatz für mein Fahrrad. Da ich nicht sogleich fündig wurde und es auch nicht lange dauern sollte stellte ich mein Rad neben eine geschlossenen Reihe von 40 Autos auf die Fahrbahn (rotes X im Bild oben).

Dann wartete ich was geschehen würde. Ich nutzte die Wartezeit um mich telefonisch beim Ordnungsamt Köln über die vielen Falschparker zu beklagen. Die Warteschleife war an diesem Tag allerdings mal wieder lang. Irgendwann kam der erste Autofahrer, hielt an und wartete ab. Schön, denn so waren wir immerhin schon zu zweit beim Warten. Die Situation überforderte ihn offensichtlich, so dass er erst mal nichts tat.

Kurze Zeit später folgten weitere Autos und es formte sich eine kleiner Stau hinter meinem Fahrrad, was mich mit gewissem Stolz erfüllte. SO also musste es sich für Autofahrer anfühlen auf dem Radweg zu parken. Cool!

Es folgte ein zaghaftes erstes Hupkonzert aus der Schlange. Der erste Autofahrer sah sich genötigt auszusteigen. Ich klärte ihn auf, dass ich mich schon um die Situation kümmere indem ich gerade beim Ordnungsamt anrufe um die Falschparker beseitigen zu lassen und dass er mich gerne dabei unterstützen dürfe, weil die ja sonst nicht kämen.

Endlich meldete sich nun das Ordnungsamt. Die ersten Fahrzeuge traten schon den Rückzug an und umfuhren in höchst vorschriftswidriger Art und Weise die Verkehrsinsel über die Gegenfahrbahn. Nicht so der erste in der Schlange: Als ich gerade mein hohes Lied der Falschparker anstimmen wollte vergriff er sich doch glatt an meinem heiligen Drahtesel! Da bin ich allergisch: Ohne meinen fahrbaren Untersatz werde ich nämlich sofort impotent und zu einem vollkommen wertlosen Mitglied der Gesellschaft. Darum kenne ich da kein Pardon! Während ich die nette Frau vom Ordnungsamt vorwarnte brüllte ich: „Finger weg von meinem Fahrrad!“, leider vergeblich. Mein kostbarster Besitz wurde einfach zur Seite gestellt. Welche Impertinenz!

Ich entschuldigte mich beim Ordnungsamt für den unverschämten Autofahrer und fing an Kennzeichen durchzugeben. In diesem Augenblick parkte keck und frech der nächste Neuankömmling vor mir. Weil er anscheinend schon abgestumpft vom Genuss der Falschparkerdroge war gab er sich eine höhere Dosis und wählte den Platz auf dem Radweg, mitten in der Feuerwehrzufahrt! Diesen Kick muss ich mir bei Gelegenheit auch mal geben, wenn der andere Stoff nicht mehr wirkt.

Ich gab sein Kennzeichen gleich ans Ordnungsamt durch und rief ihm nach Beendigung des Telefonats fröhlich zu, dass auch er da nicht parken dürfe und dass ich ihn schon gemeldet hätte.
Er fand das auch sehr lustig und wendete sein Fahrzeug. Auch ich schickte mich an den Ort des Geschehens zu verlassen. Als ich mein Rad über den Zebrastreifen schob, hielt er vor mir an und sprang aus dem Wagen.

Er baute sich sehr nah vor mir auf (größer, breiter, jünger und kräftiger als ich): „Hören sie mal, haben sie nichts besseres zu tun, als hier schon morgens Leute abzufackeln?“

Ich sah mich um. Sprach er mit mir? Sah er zu viele seltsame Filme? War Falschparken für Fortgeschrittene so stark halluzinogen?

Ich beschloss mich erst mal an die Fakten zu halten:
„Äh, Ihr Auto rollt weg.“

Er schimpfte weiter auf mich ein.

Ich versuchte es mit standhafter Sachlichkeit. Fake News führen ja zu nichts wie man weiß. Außerdem macht es einem die Werbung vor: Botschaften werden so lange beharrlich wiederholt bis sie auch beim abgestumpftesten Empfänger durchgedrungen sind:
„Ihr Auto rollt weg.“

Eine weitere Schimpfsalve ging auf mich nieder. Derweil nahm sein Fahrzeug Fahrt auf. Wie der Name eben sagt. Es läuft und läuft und läuft… Drum legte ich nun etwas mehr Nachdruck in meine Stimme:
„Ihr Auto rollt immer noch weg!“

Nun endlich drang ein kleines Fitzelchen Realität in sein falschparkerdrogenvernebeltes Gehirn ein. Er drehte sich um, hechtete seinem Auto hinterher und zog die Handbremse. Das geschah immerhin unfallfrei. Als er sich wieder mir zuwandte presste er die ersten sinnvollen Worte in meiner Gegenwart hervor: „Also Fahrradfahren ist ja gut…. und … auch Gesund … und … und … und …“

Da war der kurze Sinnanfall leider schon wieder perdu. Ich wollte Ihn ermuntern mit seiner Aufzählung positiver Eigenschaften des Radfahrens weiterzumachen z.B. „Radfahren ist gut für den Autoverkehr, da dieser nur wieder richtig funktionieren kann wenn es weniger Autos gibt.“ Aber da trollte er sich auch schon weiter schimpfend davon.

Erfreulicherweise passiert es mir immer wieder bei solchen Aktionen, dass mich freundliche Passanten lobend ansprechen, mir ihre Solidarität bekunden und mir gestehen, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

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